Stockholm ist nicht nur eine Reise wert (Stockholm) - 19. Juli

Stockholm ist nicht nur eine Reise wert. Nach der etwas provinziellen Beschaulichkeit von Helsinki, der erholsamen Ruhe im Schärengarten, freuten wir uns auf den Besuch von Stockholm, den wir uns für die Rückfahrt aufgespart hatten. Genügend Zeit hatten wir eingeplant, nämlich ganze vier Tage. Also bewegten wir uns wie gewohnt, teils unter Segel und Maschine auf die Inselstadt zu. Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Vaxholm, einer wirklich idyllischen Kleinstadt mit entsprechend historischen Gemäuern und einer großen Festung. Wir besuchten das Heimatmuseum und können das angegliederte Sommercafé wärmstens empfehlen. In einer sehr beschaulichen Wohnzimmeratmosphäre bedient man sich am Büffet und sucht sich dann einen Platz im Garten mit einem wunderbaren Blick auf die umliegenden Schären. Der Kuchen schmeckte ausgezeichnet. Für Kaffee oder Tee zahlt man einmal und bedient sich selbst, solange der Durst anhält. Wasser ist kostenlos. Aber diese Idylle wissen auch die Möwen und Dutzende Krähen zu schätzen, gibt es doch dort Nahrung im Überfluss. Nur das einzige Problem ist, dass die Menschen all diese leckeren Sachen für sich selbst beanspruchen wollen. Sobald der Mensch etwas unachtsam ist muss man als Vogel die Gelegenheit nutzen und schnell einen Happen stehlen. Es war beeindruckend, mit welcher Raffinesse und Schläue die Krähen hinterrücks versuchten, die Teller zu plündern. Bei anfänglichem Regen und eingetrübtem Himmel ging es weiter nach Stockholm. Nachdem unser Versuch scheiterte, telefonisch einen Liegeplatz im Vasahamn zu reservieren, hatten wir ein etwas ungutes Gefühl, wo wir wohl unterkommen würden. Wir liefen gegen Nachmittag den etwa eine Meile östlicher gelegenen Vereinshafen Navis an und fanden prompt einen guten Liegeplatz für die nächsten Tage, direkt am Rande des in Stockholm so beliebten Djurgarden, einem wunderbaren Naherholungszentrum im Herzen der Stadt mit dem Vasamuseum und dem Grönaland Park als Touristenmagnet. Stockholm ist bekannt für seine Museen, mehr als 40 Museen stehen dem interessierten Besucher zur Auswahl. Wir brachten es auf drei, das Vasamuseum, die Nationalgalerie mit den alten Meistern und die Kunstgalerie für die Moderne, danach waren wir fuß- und museumslahm. Stark beeindruckt waren wir vom Vasamuseum. Einem Museum für ein gigantisches Kriegsschiff, das wegen „Übergewicht“ auf seiner Jungfernfahrt 1623 nach nur 1300 Metern sank. Erstaunlich, wie ein solch verheerender Konstruktionsfehler passieren konnte, sind doch die Schweden sehr erfahrene Bootsbauer. Nachdem erst im 20. Jahrhundert die technischen Voraussetzungen für die Hebung des Schiffes gegeben waren, wurde die „Vasa“ Mitte der 50er Jahre mit viel Aufwand geborgen und restauriert und man baute gleich ein Museum außen herum. Heute ist es für jeden Schweden ein Muss dieses nationale Denkmal zu besichtigen. Aber Stockholm hat mit seiner historischen Altstadt Gamla Stan, den engen Gassen und kleinen Geschäften noch einiges mehr zu bieten. Eine quirlige Metropole, die so gar nicht in das bisherige Bild vom beschaulichen, teils puritanischen Schweden passt. Auf jeden Fall ist Stockholm nicht nur eine Reise wert.
Rückreise (Karlskrona) - 19. Juli

Die Rückreise hat begonnen. Am Samstag, den 11.07.2009, sind in Stockholm Helge und Karl zugestiegen. Sie begleiten uns die letzten 450 sm zurück nach Kröslin, unserem Ausgangspunkt der Reise. Unsere Heimkehr haben wir für Freitag, den 24.07.2009 geplant. Nachdem die Wetterprognose nicht ganz so erfreulich war und Starkwind aus Süden angesagt wurde, wollten wir so schnell wie möglich los. Für die ersten Tage waren Etmale zwischen 50 und 70 sm geplant mit dem Ziel, nach vier Tagen in Kalmar zu sein, entsprechend der alten Faustregel, zwei Drittel der Strecke in einem Drittel der verfügbaren Zeit zurückzulegen, damit wir auch genügend Karenzzeit für die letzte Woche haben. Auf teils sehr engen Wasserstraßen mit Wassertiefen von nur 3 m konnten wir nochmals die schwedische Inselwelt in vollen Zügen genießen. Hauptsächlich unter Segel legten wir bis zu 70 sm täglich zurück. In Ankerudden, einem etwas verlassenen Fischerhafen auf einer kleinen Schäreninsel wurden wir beim Ablegen von unserem schwedischen Nachbarn gerammt, den wir freundlicherweise bei uns im Päckchen hatten anlegen lassen. Die Aufregung war groß und die Klärung des Abwicklungsprozedere hat etwas Zeit gekostet. Ich vermute, da kommt noch etwas Versicherungsstress auf mich zu. Der Schaden - ein ordentlicher Kratzer im Gelcoat an der Steuerbordseite - dürfte sich um die 1.000 € bewegen. Wir besuchten die Insel Idö, eine ehemalige Lotsenstation mit einem wunderbaren Rundumblick von dem frei zugänglichen Lotsenturm aus. Die Station war bis 1984 in Betrieb, dann wurde sie wegen „mangelnder Kundschaft“ geschlossen. Die Einrichtung ist noch komplett vorhanden, man glaubt, gleich kommt die nächste Schicht durch die Tür. Nach Kalmar übernachteten wir in Kristianopel, einem wirklich sehr schönen schwedischen Dorf mit kleinem Hafen. Wir hatten dort die Wahl zwischen einem Jazz- oder Kirchenkonzert. Außerdem unterhielt uns die Tanzcombo des nahegelegenen Campingplatzes. Das Hafenleben pulsierte bis zum späten Abend. Die Schweden und wir genossen den Sommer. Am Freitag, den 17.07.2009 erreichten wir pünktlich unser gestecktes Wochenziel, Karlskrona. Die Wetterprognose sieht derzeit überhaupt nicht gut aus. Im Moment haben wir voraussichtlich bis Mittwoch Starkwind mit bis zu 7 bft. aus West und somit direkt auf die Nase. Wir warten auf ein Wetterfenster, um den Absprung über Simrishamn nach Saßnitz oder Lohme zu schaffen. Zum Glück haben wir einen Zeitvorsprung herausgearbeitet und hoffen auf eine Wetterbesserung.